The Suicide Squad

James Gunn’s Film ist ein witziges, absurdes und blutiges Fest, es ist aber auch viel mehr…

…im wahrsten Sinne des Wortes unberechenbar,…

Wenn am Ende des Prologs das eine-in den sicheren Tod geschickte-Team wortwörtlich in seine Einzelteile zerlegt tot am Strand liegt und offenbart wird, dass dieses Suicide Squad nicht mehr als ein Ablenkungs-Squad ist, um die eigentlich wichtigen Figuren an Land zu bringen, zeigt sich, wer Amanda Waller ist und was wir für einen Film schauen.

Der Prolog gibt uns dabei noch etwas; er foreshadowed einiges, indem er eine kleine Geschichte erzählt:

Wir lernen Savant nicht gerade als Sympathen kennen.
In seiner allerersten Szene ermordet er kaltblütig einen Vogel, der zuvor in seiner Zelle landet. Wenn auf dem Schlachtfeld ein Teammitglied nach dem anderen, das mal mehr und mal weniger bekannt besetzt ist, zerfetzt, durchbohrt und durchlöchert wird, verliert er die Fassung und schließlich den Kopf, wenn er flüchten möchte.
Zuvor rettet er einen Hund, bzw. ein Weasel vorm Ertrinken.
Wir sehen ihn ein letztes Mal, während ein gelber Vogel-gleich dem ermordeten-sich an seinem noch nicht kalten Körper labt.

Die beiden (Amanda Waller und Savant) sind nur zwei von vielen Charakteren, die im Laufe der Geschichte gezeichnet werden.

…eine verrückte Reise todgeweihter Durchgeknallter,…

Ein Großteil der Charaktere, aus denen James Gunn sein Team zusammenwürfelt, sind unbeschriebene Blätter. Das ist tatsächlich sinnvoll für die Geschichte.
All diese Charaktere haben ihre Stärken, haben ihre Schwächen.

Bloodsport-in erster Linie gescheiterter Vater-kann jeglichen Gegenstand zum Morden verwenden, hat Angst vor Ratten.

Ratcatcher wiederum bändigt und liebt Ratten, wird auf der einen Seite als gebrochene Millennial dargestellt und auf der anderen als herzensgut und rechtschaffen. Sie ist für viele das Herzstück des Films.

Zusammen bilden die beiden ein Tandem, das ohne eine der beiden Figuren nicht denkbar wäre, sie ergänzen sich und helfen der jeweils anderen bei ihrer Entwicklung.

Peacemaker (durch Trailer + Marketing leider schon sehr stark charakterisiert) hat eigentlich noble Ziele, die ihn durch sein verqueres Weltbild jedoch nicht zum Helden machen.

King Shark ist einfach gestrickt, sieht fast jedes Lebewesen als Nahrung an und hätte gerne Freunde. Wenn er in gewissen Figuren endlich nicht als erstes Essen sieht. sondern Freunde, wollen sie ihn essen.

Polka Dot Man schafft es, maximale Komik und maximale Tragik zu vereinen. Sein Mutter-Konflikt und wie er diesen auflöst und damit sein Trauma überwindet, bringt einen durch den Irrwitz zum Lachen, zur gleichen Zeit fragt man sich, was gerade abgeht, doch eigentlich ist es traurig.

Selbst Rick Flag ist nicht mehr nur Expositions- und Regelerklärer auf zwei Beinen, sondern eine seine eigene Mission hinterfragende Figur. Erst mit seinem Tod fällt auf, dass man auch ihn ins Herz schließen konnte und vergisst im gleichen Atemzug die Figur, die er angeblich vor 5 Jahren war.

Harleen Quinzel ist Harley Quinn, das ist manchmal eine Stärke, manchmal eine Schwäche.
In dem Moment, in dem sie (unberechenbar) den neuen Diktator tötet, da er ähnliche Grenzen überschreitet wie ihr Ex Freund, ist das absurd, aber verständlich.

…ein soziales Experiment…

Rick Flag ist zwischendurch scheinbar entführt.
Diese Situation veranlasst Bloodsport und Peacemaker zu einem Schwanzvergleich: wer denn besser, cooler und effizienter töten könne. Wir finden das witzig. Wir finden es witzig, dass sich die beiden zu diesem völlig unnötigen Wettkampf gezwungen fühlen. Wir amüsieren uns über die kreativen Arten zu töten, bis wir es nicht mehr tun, oder doch?
Es stellt sich heraus, die gerade hingerichteten Menschen sind eigentlich freundliche Rebellen.
Jetzt ist es nur noch zynisch-witzig, falls überhaupt.
Dem Publikum wird ein Spiegel Vorgehalten.

Während des Prologs schließen die Mitarbeiter von Amanda Waller wetten darüber ab, welche Suicide Squad Mitglieder sterben werden und welche nicht.

Die Mitarbeiter sind unsere Platzhalter in James Gunns Welt.

Ein neuer Suicide Squad Film wird angekündigt und vermarktet. Wir fragen uns wie viele Figuren diesmal sterben und hoffen dass es mehr sind als 2016. Zu dem Thema gibt es tausende Analysen im Internet, die anhand der Trailer versuchen herauszufinden und vorherzusagen, wer draufgehen wird.

Dann passiert der emotionale Klimax des Films:
Die unrühmlichen Verbrecher entscheiden sich,
gegen Starro zu kämpfen, dagegen einfach zu fliehen und damit theoretisch für ihren Tod,
sie werden zu Helden.

Die Untergebenen Wallers wollen nicht, dass ihre Chefin den ans Herz gewachsenen Figuren den Garaus macht.
Wir wollen nicht, dass sie es tut. Wir hoffen nun im Kino, dass die Figuren überleben.
Dieser Moment ist der beste Punkt des Films.

…eine Studie in Humanismus?

All die Charaktere, all ihre Konflikte, all das ist menschlich.
Das gilt für den gesamten Film, nicht nur unsere liebgewonnen Charaktere:

Die Soldaten der Corto Maltesischen Armee erscheinen nicht einfach, sie werden beim Essen, Kartenspielen oder dem Gespräch mit Kollegen von Sirenen unterbrochen und zum Einsatz gerufen.

Der wie in einer Werbung für ein Designer-Parfüm aus dem Wasser steigende, reiche Diktator ist-wie viele Zuschauer-am Ende des Tages Harley Quinn Fan (wer kann es ihm verübeln) und hoffnungsloser Romantiker.

Die im Fernsehen friedlich gezeigten, siegreichen Rebellen haben wenige Minuten zuvor ein Blutbad angerichtet.

Niemand ist schwarz, niemand weiß, alle sind Menschen.

The Suicide Squad – ein Fazit

Die Charaktere des Films werden so differenziert gezeichnet, dass ein Peacemaker, der am Ende charakterlich eher negativ im Gedächtnis bleibt, die Figur ist, die in der wunderbaren Bar-Szene ein Herz für eine Ratte beweist und unser Herz erweicht.

Alle Charaktere bleiben in Erinnerung, werden über die Laufzeit immer menschlicher und entwickeln sich. Es ist ein Wunder, wie James Gunn so eine Masse an funktionierenden Konflikten in diesen 132 minütigen Film packen kann.

Wir schließen in dieser Zeit einige Figuren, die wir noch nicht kannten immer mehr ins Herz und wenn man den emotionalen Höhepunkt im Kopf behält, entwickeln wir uns möglicherweise selbst mit diesen Charakteren.
Das schafft nicht jeder Film.

The Suicide Squad ist zum Teil Komödie, zum Teil Splatter.
In manchen Momenten politische und gesellschaftliche Satire, in manchen Momenten Comic-Action.
Mal zuckersüß, mal ultrabrutal, immer absurd.

Möchte man den Film einordnen, ist er im schlechtesten Fall “nur” ein großer Spaß, im besten Fall ein Antikriegsfilm.

Ein absurder Antikriegsfilm

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Maxx


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